lausanne, 2002

lausanne, schweiz 2002

Keine Frage – bei uns im Restaurant kriegt man kaum mal einen Glückskeks. Glückskekse gibt es im 10er-Karton im Asia-Markt oder manchmal beim Discounter zu kaufen – als pfiffigen Gag fürs Asia-Dinner mit den besten Freundinnen. So wie man es in der Frauenzeitschrift gelesen hat, aber das Essen bitte nicht zu scharf.

Der Glückskeks kennt keine negative Voraussage, die Frage ist, ob er überhaupt voraussagt. Eigentlich begnügt er sich mit profanen Sprüchen, die Gutwillige für asiatische Weisheiten halten könnten. Der wichtigste Glückskeksspruch steht sowieso auf der Verpackung: „Bitte entnehmen Sie den Papierstreifen vor dem Verzehr.“

Japanische oder chinesische Einwanderer erfanden den Glückskeks Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA, in Asien sind Glückskekse dagegen bis heute fast unbekannt. Aber natürlich gibt es eine historische Herleitung: Chinesische Rebellen hätten im 13. und 14. Jahrhundert Nachrichten in sogenannte Mondkuchen eingebacken und so ihre Aktionen koordiniert, die Mongolen in die Flucht geschlagen und die Ming-Dynastie begründet. Aber die Geschichte von eingebackenem Allerlei gibt es in jeder Kultur. Ein Standardwitz ist die im Kuchen versteckte Feile, mit der man die Gitterstäbe seiner Gefängniszelle durchtrennt und alsdann in die Freiheit schreitet.

Die Heimat des Glückskeks liegt in den China-Restaurants Nordamerikas, wo er millionenfach konsumiert wird. So haben sich viele Rituale im Umgang mit dem Glückskeks ergeben: zuerst lesen, dann essen? Erst essen, dann lesen? Kekse mit negativen Voraussagen (ja, gibt es die überhaupt?) bloß nicht essen! Kekse mit dem Nachbarn tauschen. Immer den Cookie nehmen, der auf mich zeigt. Dem Cookie-Spruch die Endung „im Bett“ anfügen …

Es gibt verschiedene Inhalte und Sprüche auf Glückskeksen: die Lottozahlen für die nächsten Ziehung, dreistellige „Glückszahlen“, Übersetzungen ins Chinesische, teils satirisch: „You smell = you stin ki pu.“ Gegen Prophezeihungen wie: „Sie werden zu Geld kommen!“ hat wohl keiner etwas, und: „Wende Dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter Dich!“ gefällt dem Fotografen in mir.

Der größte Hersteller von Glückskeksen in den USA ist Wonton Food in Brooklyn, New York City. Möchte man mehr als 10.000 Cookies, solle man anrufen, darunter gilt eine feste Preisstaffel: Minimum 100 Stück, 40 Cent pro Cookie. Natürlich können die Cookies personalisiert werden, sortiert oder unsortiert verschickt werden. „Fun Fun 3 Fortune Cookies“ versammeln die 3 Geschmacksrichtungen Vanille, Schokolade und Zitrone in einem Cookie…

Vielleicht wurden die Fortune-Cookies aber auch das erste Mal in einem japanischen Teehaus in San Francisco serviert, um den Gästen etwas mitzugeben, damit sie sich an das Teehaus erinnern. Ein Urenkel des damaligen Erfinders Makato Hagiwara betreibt eine Webseite mit der „True Story“ über den Glückskeks. Allerdings ist die chinesische Variante der Geschichte ähnlich, und zum Sushi wird heutzutage zu selten ein Keks serviert, als das man ihn „japanese fortune cookie“ nennen könnte.

pomMai 2010