luzern, 2002

Schweiz 2002

Seifenblasen zerplatzen, weil sie verdunsten. Während ihre Hülle immer dünner wird, verlieren sie auch zunehmend an Farbe, da sich das Licht nicht mehr so stark an ihnen brechen kann. „Der Traum zerplatzte wie eine Seifenblase!“ Besser man hält sich seine Seifenblase im Einweckglas, die lebt länger …

Die Homepage des insolventen Versandhauses „Quelle“ ist zum finalen Abverkauf mit einigen Seifenblasen verziert. Vielleicht waren die Seifenblasen ja schon immer dort und brachten am Ende die Blase zum platzen?

Ich habe den Verdacht, die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts waren die Zeit der Seifenblasen! Etwas Leichtes, Fragiles und Dezentes lag in der Luft zu dieser Zeit. Kann es sein, dass damals das Individuum mal wieder neu entdeckt wurde? Ein unbeschriebenes, nettes Wesen, dem man weniger Vorschriften machen wollte, sondern einen Baukasten von Möglichkeiten an die Hand gab, siehe hier: „Dries Van Noten zieht es vor, seine Mode “Stück für Stück” zu kreieren, was seinen Kunden mehr Raum für Individualität lässt, anstatt sklavisch um eine Silhouette oder ein einziges Thema herum zu entwerfen.“ (aus elle.de) Van Noten schuf in den Neunzigern einen braven Anorak, dessen Muster wie eine Wolke aus Seifenblasen aussah.

Der Schimpanse von Michael Jackson heißt „Bubbles“, Jeff Koons ließ „Bubbles“ und Jackson als hohle Porzellanfigur anfertigen. „Heute lebt Bubbles in einem Tierreservat in Florida (Jackson hatte sich schon zu Lebzeiten von ihm getrennt). „‘Bubbles’ ist nun Mitglied einer sechsköpfigen Schimpansenfamilie, liebt Süßkartoffeln und Gitarrenmusik. Im Reservat kann der Affe endlich auch sein ganz eigenes Talent ausleben: Er malt!“ (aus gala.de). Koons hat ja selbst diese überdimensionalen Hüllen anfertigen lassen, wie bonbonfarbenes Geschenkpapier, in dem sich alles so hübsch bunt spiegelt. Auch Schnittblumen werden ja oft in Cellophan verpackt verschenkt – ein Sauerstoffzelt für einen hoffnungslosen Fall. Das Leben in einer Seifenblase gehört ja auch zu den härtesten Prüfungen …

Auf Kleinkunstfestivals treten „Gaukler“ mit grausam riesigen Seifenblasen auf, sie sehen aus wie gigantische Geschwüre. Eine dunkle Schwere liegt über solchen Veranstaltungen, der Boden färbt sich unter der zerplatzten Wasserlast schnell dunkel. Die Seifenblase ist hier völlig falsch verstanden, da man sie zu einem unförmigen Giganten aufbläst! Die Seifenblase ist ein natürlich schwärmerisches Wesen, in klein und in Massen am schönsten – alleine schon durch die simultane Bewegung, gemeinsam vom Wind getragen.

Es gibt natürlich auch Seifenblasenmaschinen, simple mechanische Konstruktionen, in denen sich ein Rad mit Ringen dran durch die Seifenlauge dreht und von einem Ventilator angeblasen wird. Sogar „Profimaschinen“ wie die „F.A.L Bubble Machine PF265“ sind für unter 30 € zu haben, so billig ist der Einstieg in professionelles Bühnenequipment!

Das „Pustefix“ aus meiner Kindheit gibt es übrigens immer noch, brutal angegangen von schreienden, neonfarbenen Billigprodukten, die nur kleine, dünne, hässlich graue Blasen produzieren, die sofort zerplatzen.

pomNovember 2009