vientiane 2006

vientiane, 2006

Beim Automobil nur auf das Design zu achten, ist alles andere als oberflächlich. Technisch hat sich ja am Grundprinzip des Autos nichts verändert, immer noch verlassen giftige Gase den Verbrennungsraum des Motors. Am automobilen Design jedoch kann man sehr genau den Zeitgeschmack ablesen. Schließlich sind Autos der Alltagsgegenstand schlechthin und für die meisten Menschen immer präsent. Das Design verändert sich in Nuancen, auf Fotos geben Autos Hinweise wann ein Bild entstanden ist, anders etwa als die eher zeitlosen Fassaden der Gebäude.

Der Pickup ist abgesehen vom Moped das verbreitetste Fortbewegungsmittel in Laos. Auf dem Bild handelt es sich um einen Mitsubishi L200 mit Doppelkabine, der auch in Europa relativ gut verkauft wird. Die in Laos angebotenen Pickups werden meist in Thailand für den südostasiatischen Raum montiert. In Deutschland ist ein Pickup ein absolutes Nischenfahrzeug, kein europäischer Hersteller hat einen großen Pickup auf Geländewagenbasis im Programm, es gibt nur einige Varianten von Mittelklassemodellen. (Zur Zeit ist das der Fiat Strada und eine Variante des Billigmobils Dacia Logan). In den USA ist der Pickup hingegen ein Volkswagen: Es gibt Klassiker des Pickups, wie den Dodge Adventurer 150, der noch bis 1979 mit Holzbeplankung angeboten wurde. Neuere Modelle sind vor allem eins: Riesig! Die Kühlerhaube des aktuelles Dodge Ram 3500 Mega Cab ist eine anderthalb Meter hohe Mauer, die einem Erwachsenen ungefähr bis zum Brustkorb reicht. Beim neuen Dodge Ram für das Modelljahr 2009 scheint sich die Kühlerhaube sogar ein wenig nach vorne zu neigen und wirkt mit den riesigen Scheinwerfern noch martialischer. Die Doppelkabine hat das Platzangebot für Mitfahrer erweitert und ist somit auf Limousinenniveau, da bis zu 5 Personen mitfahren können. In Laos ist es natürlich kein Problem auf der Ladefläche Platz zu nehmen. In der Werbung für den Mitsubishi gibt es das liebevolle Detailfoto einer geöffneten Heckscheibe, die den direkten Zugriff auf die Ladefläche zulässt. Dodge lässt keine Personen in seiner Werbung erscheinen und mimt auch sonst eher den „tough guy”. Der Pickup ist „das Tool”, ein Werkzeug, wie er halt so dasteht. Ein riesiger Markt für den Zubehörhandel sind Aufbauten für die Ladefläche, mit deren Hilfe man zum Beispiel einen geschlossenen Laderaum erreicht. Es gibt sicher mehr Varianten als ein Schweizer Messer Funktionen hat. In Laos sind diese Kostümierungen weniger verbreitet, in den USA ist dagegen eine abschließbare Box für Werkzeuge die absolute Mindestanforderung und in vielen Grundausstattungen schon vorhanden.

Das Design des Mitsubishi erinnert durch seine geniale hintere Rundung an einen alten Kutschenaufbau. Mitsubishi schafft hier eine interessante formale Trennung zwischen Fahrerkabine und Ladefläche. Ein Pickup hat eben dieses Planwagenimage von „Go West”. Es ist ein bodenständiges, „vernünftiges” Handwerkerfahrzeug mit dem ehrlichen Touch eines Arbeitsmittels, passend zu Blue Jeans und T-Shirt. Werbespruch von Dodge: „Work never looked so good.”

Die Ladefläche ist schneller Umschlagplatz für alle Arten von Gütern, vom Streugut bis zum Viehtransport. Das Foto zeigt den L200 vor einem Handwerksbetrieb, der Trinkwassertanks herstellt und vertreibt. Diese Tanks werden auf Hausdächer montiert und nachts mit Hilfe einer Pumpe befüllt. Tagsüber reicht der Wasserdruck oft nicht um die höhergelegenen Etagen der Häuser mit Wasser zu versorgen.

[uh]

pomjuni 2008