triest 1999

trieste, 1999

Eine Natursteinmauer hat schick und cool zu sein, also grobes Gestein, filigran gesetzt. Bitte keine runden Kullerkiesel eingebettet in Zementtunke. Die gelungene Natursteinmauer ist auch kein kunstvoll geschwungener, fein hingestapelter Garten- und Landschaftsbau, sondern eine pointierte Setzung, die nun mal eben genau hier hingehört. Die Faszination liegt für mich in der Regelmäßigkeit der Konstruktion und der Ursprünglichkeit des Steins, Hugh!
… und den Zaun darüber mag ich auch recht gerne…

Der amerikanische Fotograf James Welling fotografierte in den Jahren 1988 -90 eine Serie mit Gebäuden des Architekten H.H. Richardson. Richardson baute Ende des neunzehnten Jahrhunderts vornehmlich an der Ostküste der USA. Seine massiv gebauten Häuser, meist waren es Bahnhöfe, Rathäuser oder andere öffentliche Gebäude, hatten alle eine Natursteinfassade, oft sehr differenziert, teils ornamental angelegt. Welling fotografierte diese Häuser in Ausschnitten: Fundamente, Mauern und Gebäudeecken. Welling ging es in diesen Fotografien nicht um die Abbildung von Architektur, vielmehr war es sein Interesse an der fotografischen Oberfläche, die in der ausgeklügelten Gestalt der Fassaden Richardsons seinen Widerhall fand. Diese Art der Abbildung zeigt: die Struktur des naturbelassenden Steins taugt zur Wesensbeschreibung der Fotografie.

[uh]

pomdezember 2007