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grenoble, 2004

Meine Vorliebe gehört der flotten Verfolgungsjagd. Der Hauptdarsteller, einsam auf einem abgeernteten Maisfeld, verfolgt von einem Unkrautvernichtungsflugzeug, bekämpft mit Pestiziden und Maschinenpistole.

Eine Verfolgungsjagd ist eine Art Film im Film. Die Darsteller werden durch die Handlung gehetzt, funktionieren aus der Situation heraus, vertrauen nur noch ihren Instinkten. Der Fortgang der Geschichte verdichtet sich für ein paar Minuten, aus Filmzeit wird Echtzeit. Die Geschichte zwingt sich in Windeseile durch ein Nadelöhr, um danach an einem anderen Ort in epischer Breite wieder aufzuerstehen.

Unser Protagonist, mit Carhartt Jeans, Muscle Shirt und Shopping Bag, schaut kurz nach, ob der Surfshop “Quai 34″ noch geöffnet ist.

Die Verfolgungsjagd bringt eine rasante Pause in den Film, einen Peitschenhieb ins Leere. Die Schauspieler treiben dabei als “tote Männer” auf der Handlung herum.

Darsteller kokettieren ja gerne mit dem Ich-Verlust, doch manchmal erscheint Selbstaufgabe als beklemmende Notwendigkeit des Berufsbildes Schauspieler: Peter Sellers behauptete von sich, nur ein leeres Gefäß zu sein, das er jederzeit mit anderen Persönlichkeiten füllen könne. 1962 beschrieb er in einem „Playboy” Interview eine Art von psychischer Transformation: „…und dann passiert plötzlich etwas Seltsames. die Figur übernimmt. Der Mann, den man spielt, beginnt zu existieren”. 1978 geht er noch einen Schritt weiter. Jetzt gibt es keine Transformation mehr, sondern nur noch die zu spielende Person: „Ich existiere nicht. Ich habe mich operativ entfernen lassen.”

[uh]

pomnovember 2007