Koh

koh samet, 2006

“Wir haben schon mehrere Länder ausprobiert”, erzählte mir die Frau, “aber in der Türkei haben wir bis jetzt das beste Preis-Leistungsverhältnis erlebt.” Das ist sicherlich eine konsequente Herangehensweise an das Thema Pauschaltourismus. Die “Ware” Reise ist im üblichen Setting von “Familie-Strand-Hotel” am besten bewertbar. Was interessieren da noch “Land und Leute”, schließlich erlebt sie der Pauschaltourist meist nur als Inszenierung – von Kamelreiten bis Teppichknüpferei.

In einem der unzähligen Internetforen zum Thema Reisen las ich über die thailändische Insel Koh Samet: “Alles schön und gut, aber zu viele Thais dort.” Ist schon möglich, dass man in Thailand doch ganz überwiegend auf die einheimische Bevölkerung trifft. Das Problem welches der Internetschreiber wohl hatte, war, dass ihm die Thailänder dort nicht nur als Hotelangestellte und ähnliche Dienstleister gegenübertraten, sondern als Touristen.

Nur vier relativ bequeme Minibusstunden von Bangkok entfernt ist Koh Samet Anlaufstelle für den stadtflüchtenden Wochenendtouristen. Während westliche Touristenpärchen ein Strandbungalow alleine bewohnen, spielt die Personenzahl für die Thailänder eine untergeordnete Rolle. Die meist jugendlichen Wochenendausflügler kommen zu zwei Dutzend, bringen Essen und Trinken gut gekühlt in riesigen Styroporboxen mit. Einer spielt in jedem Falle Gitarre. Und nach dem Genuss einer großen Menge einheimischen Whiskeys – der Mekhong Whisky ist seit 1941 eine thailändische Institution mit jährlich 19 Millionen verkauften Flaschen – schlafen die Männer sogleich im Campingstuhl ein, den sie dann das ganze Wochenende nicht verlassen. So löst sich das Problem mit den knappen Schlafplätzen ganz von selbst.

Wer Glück hat, trifft auf Koh Samet heimische Serienstars aus Bangkok mit ihrer Entourage, zu dritt auf einem Moped unterwegs, niemand älter als 25 und dauertelefonierend, ständiger Ortswechsel scheint Pflicht zu sein. Seltsam erwartungsvoll blicke ich in die anscheinend nur mir fremden Gesichter.

Das Foto entstand in der zweiten Reihe hinter dem Strand, dort läuft ein Versorgungsweg für die vielen direkt am Meer gelegenen Hotelanlagen entlang. Bier wird herangekarrt, die Wäsche gewaschen, das Wasser in riesigen Tanks aufbereitet. Was in dieser Hütte mit den vielen Motorrädern davor passierte? Davon weiß ich natürlich nichts.

[uh]

pomOktober 2007